Blogbeitrag

Wie feierst du das Osterfest? Interkulturelle Bildung in der Kita

Das Osterfest steht vor der Tür. Ostern ist das höchste Fest der Christen und das zentrale Ereignis ihrer Religion. Was ist aber mit den Kindern in deiner Kita, die keinen christlichen Glauben angehören? Erfahre in diesem Blogartikel, wie du das Osterfest interkulturell gestaltest und so Wertschätzung für alle Religionen und Kulturen ausdrückst.

Interkulturelle und interreligiöse Bildung in der Kita

In einer Kita treffen häufig viele Kulturen und Religionen aufeinander. Selbst in konfessionsgebundenen Kitas treffen sich mehrere Religionen unter einem Dach. Dieses bemerkst du beispielsweise an folgendem:

  • Kinder bringen ihre persönlichen Vorstellungen und Erfahrungen aus ihrer Familienkultur und Religion mit in die Kita.
  • Eltern haben unterschiedliche Vorstellungen über die Bedeutung der Religion und der Umsetzung des Bildungsbereichs „Religion und Ethik“ in der Kita.
  • Du als Fachkraft hast auch deine eigene persönliche kulturelle und religiöse Biografie.
  • Durch die Kita-Konzeption gibt es auch Vorgaben, wie der Bildungsbereich „Religion und Ethik“ bei euch in der Kita gelebt wird.
  • Dein Träger – egal ob konfessionsgebunden oder nicht – hat auch seine Vorstellung, wie mit dem Thema „Religion“ in der Kita umgegangen wird.
  • Nicht zuletzt nimmt das Umfeld und der Standort deiner Kita einen Einfluss darauf, welche weltanschaulichen und Religiösen Überzeugungen außerhalb und innerhalb der Einrichtung gelebt und vertreten werden.

Besonders deutlich wird dies immer wieder während der großen Feiertage, wie beispielsweise das anstehende Osterfest, Weihnachten und den Ramadan. Alle Feste und Rituale bieten den Kindern ein großes Lernpotential.

WICHTIG


Es geht nicht darum, die Kinder oder Familien von einer Religion zu überzeugen. Ebenso geht es auch nicht darum, die Religion aus der Kita zu verbannen, sondern den Kindern Worte zu vermitteln, um über „Religionen“ zu sprechen.

Interreligiöse und interkulturelle Bildung und Toleranz bedeuten nicht „Kulturen und Religionen“ zu verwässern

Ich persönlich bemerke einen immer stärkeren Trend, religiöse Feste „zu verwässern“, also eine Alternative zu finden, mit der jeder leben kann. So wird aus dem Osterfest ein Eierfest, denn Eiersuchen macht Kindern so viel Spaß. Weihnachten sorgen die Weihnachtswichtel für die heiß begehrten Geschenke, auf die niemand verzichten möchte. Anstatt St. Martin feiern manche einfach ein Laternenfest, weil es so schön ist mit den Laternen durch die Sternenklare nicht zu laufen.

Eine Aussage, die ich mal in diesem Rahmen gehört habe, war: „Können wir das Osterfest nicht weniger religiös erscheinen lassen?“

Ehrlich gesagt, ich war geschockt, über diesen Gedanken. Kinder brauchen keine „verwässerten“ religiösen Feste, damit sich Menschen aller Religionen oder atheistischen Glaubensrichtungen damit wohlfühlen. Kinder brauchen Erfahrungen mit vielen unterschiedlichen Religionen:

  • Es ist für Kinder wichtig, zu wissen, warum wir diese Feste feiern.
  • Was steckt hinter dem Fest?
  • Wie wird es bei uns gefeiert?
  • Wie feiern die Kinder dieses Fest in ihrer Familie oder warum feiern sie es nicht?
  • Wird dieses Fest in anderen Ländern anders gefeiert?

Dabei ist es ganz egal, ob es sich um christliche, muslimische, hinduistische oder noch weitere Feste handelt.

Tipp


In unserer Portfoliofortbildung bekommst du viele Portfoliovorlagen, die sich mit diversen Festen aus anderen Religionen befasst. Sie unterstützen den Dialog mit den Kindern und die interreligiöse Bildung.

Feier nicht Ostern, weil es dazu gehört, sondern nutze das Bildungspotential

Immer wieder erlebe ich, dass Ostern oder auch andere Feste gefeiert werden, weil es dazu gehört. Oder weil die Eltern, die Leitung, der Träger etc. es erwarten. Feiere Ostern, um mit den Kindern – im Sinne der interreligiösen Bildung – dieses Fest zu entdecken.

Denn es geht darum, die Kinder sprachfähig zu machen. Egal, ob sie eine Religion haben oder frei von jeglichen Glaubensrichtungen aufwachsen. Hierzu ist es notwendig, dass wir als pädagogische Fachkräfte sensibel mit allen Glaubensrichtungen umgehen.

Setze in diesem Jahr einen anderen Schwerpunkt und lade alle Kinder und Familien zu einem Dialog ein. Die interreligiöse Bildung ist in den Bildungs- und Orientierungsplänen festgeschrieben. Unabhängig von der Trägerschaft deiner Einrichtung.

Frage alle Menschen in deiner Einrichtung einmal, wie wird bei euch Ostern gefeiert. Sprecht über die Unterschiede und die Gemeinsamkeiten. Denn dieser, sich banal anhörender Punkt, ist wichtig für die gegenseitige Toleranz. Denn schon Kita Kinder nehmen religiöse Unterschiede wahr.

So wird Ostern in anderen Ländern gefeiert

Ostereier suchen, Schokohasen, Ostermessen - so feiern wir hierzulande Ostern. Doch wie wird im Ausland Ostern gefeiert? Ich habe für dich hier eine interessante Seite gefunden mit einer kleinen Auswahl an internationalen Osterbräuchen.

Durch den offenen Dialog über andere Formen des Osterfestes stärkst du auch die Partizipation in deiner Kita. Tausche dich doch mal mit den Kindern im Morgenkreis oder im Rahmen eine Kinderkonferenz über die Fragen:

  • „Wie feiert ihr in deiner Familie Osten?“
  • „Wie sollen wir in der Kita Ostern feiern?“

Stimmt gemeinsam, im Sinne der demokratischen Bildung ab. Schon bist du mitten in der interreligiösen und interkulturellen Bildung. Denn die Kinder setzen sich aktiv mit dem Osterfest auseinander. Ein guter Aufhänger, um über die Bedeutung des Festes zu sprechen.

Kooperiere mit den Kita-Eltern

In meinem pädagogischen Alltag und in Elternbefragungen habe ich häufig erlebt, dass die religiöse Bildung für Eltern nicht so bedeutsam ist wie die anderen Bildungsinhalte. Dabei hat Religion viel mit Werten und Normen sowie Traditionen und unserer Weltanschauung zu tun. Egal, ob wir religiös sind oder nicht, wir alle brauchen Werte und Normen.

Manchmal habe ich auch erlebt, dass Kinder an bestimmten Festen nicht teilnehmen durften oder Feste anderer Religionen aus Unwissenheit nicht thematisiert wurden. Alles, was „kein Thema“ ist, existiert nicht. Und damit vermitteln wir unbewusst den Kindern und den Familien eine negative Wertschätzung. Dieses kann sich sogar negativ auf die Identitätsentwicklung der Kinder auswirken. Beispielsweise durch das Gefühl: „Meine Religion ist nicht wichtig“ oder „ich bin nichts“, weil ein Kind ohne Religion aufwächst.

Daher ist es wichtig, dass du mit den Eltern kooperierst und immer wieder durch offene Dialoge den Eltern zeigst, es geht nicht um eine Missionierung der Kinder. Uns ist es wichtig, - im Sinne der Inklusion - allen Kindern gerecht zu werden. Wir wollen keine einseitige religiöse Bildung in der Kita leben. Wir möchten auch nicht durch „pseudoreligiösen Festen“ eine neutrale Umgebung schaffen. Uns ist es in Sinne der interreligiösen Bildung wichtig, offen und wertschätzen über alle Religionen bzw. entsprechen über areligiöse Erziehung zu sprechen. Mit dem Ziel sich gegenseitig zu respektieren.

Dein Beitrag zu mehr Respekt und Toleranz

Unsere Gesellschaft wird immer multikultureller und Interreligiöser. Für ein gutes Miteinander ist Respekt und Toleranz notwendig. Das bedeutet nicht, dass du alle Verhaltensweisen akzeptieren musst. Sondern, es bedeutet, dass du jeden Einzelnen so akzeptierst, wie er ist. Denn Menschen unterscheiden sich in vielen Dingen, wie zum Beispiel ihrem Aussehen, ihrer Meinung, ihrer Herkunft und auch in ihrem Glauben. Trotzdem sollte jeder Mensch gleichbehandelt werden. Manchmal fällt das gar nicht so leicht. Nicht immer ist man mit der Einstellung anderer Personen oder Religionen einverstanden oder stört sich an Äußerlichkeiten. Da ist Toleranz gefragt! Toleranz hört aber da auf, wo Menschenrechte verletzt werden.

Um eine tolerante Haltung zu entwickeln ist es notwendig, dass wir uns mit selbst mit unseren Werten, Normen, Traditionen und unserm Glauben auseinandersetzen. Toleranz und Respekt im religiösen Kontext bedeutet beispielsweise:

  • die eigene Religion kennen- und schätzen lernen,
  • andere Religionen kennen- und schätzen lernen,
  • atheistische Haltungen respektieren lernen,
  • das Gefühl entwickeln, Religionsfreiheit für sich und andere als Persönlichkeitsrecht zu erkennen und zu akzeptieren.

Durch deine interreligiöse Bildungsarbeit in der Kita stärkst du auch die Partizipation, die Inklusion aller Kinder und Familien, der gegenseitigen Wertschätzung und einer demokratischen Haltung. Denn Religion bzw. eine areligiöse Haltung findet immer in einem gesellschaftlichen und kulturellen Kontext statt und wird dadurch beeinflusst.

Experten-Webinar-Aufzeichnung für Kita-Fachkräfte


Die Welt trifft sich im Kindergarten: Wie interkulturelle Arbeit im Kindergarten und Hort gelingt

In unserer Webinar-Aufzeichnung zeigt dir İskender Yıldırım – Experte für Integrationsarbeit in Kitas – wertvolle Werkzeuge für den Umgang mit Familien mit anderen Erziehungsstilen.

Du lernst unter anderem:

  • …mit welchen einfachen Strukturen du in deinem Kita-Team eine Toleranzkultur aufbaust.
  • …mit welchen Maßnahmen du die Zusammenarbeit mit zugewanderten Eltern vereinfachen kannst – trotz kultureller Unterschiede und Sprachbarrieren. 
  • …mit welchen konkreten Tipps du auch akute Konfliktsituationen mit Leichtigkeit meisterst 

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    Schlagworte

    ausländische Kita-Kinder, interkulturell, Kita, Kita-Alltag, Kommunikation, Ostern, Pädagogik, toleranz


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