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Pädagogische Professionalität: Wie sie die Kita-Qualität beeinflusst 

In der Welt der Kindertagesstätten (Kitas) spielt pädagogische Professionalität eine entscheidende Rolle bei der Schaffung einer hochwertigen Lernumgebung und damit hohen Qualität der pädagogischen Arbeit eine entscheidende Rolle. Erfahre in diesem Blogbeitrag, welchen Zusammenhang es zwischen der pädagogischen Professionalität und der Qualität in der Kita gibt und wie du selbstbewusster und souveräner deine pädagogische Professionalität vertrittst und Grenzen setzt. 

Was macht für dich eine professionelle pädagogische Fachkraft aus?

Ich möchte den Blogbeitrag mit zwei Fragen beginnen, auf die es viele verschiedene Antworten gibt. 

  • Was macht für dich die Professionalität einer pädagogischen Fachkraft aus?
  • Was wäre in diesem Zusammenhang „unprofessionell“?

Stoppe an dieser Stelle einfach mal und überlege dir dazu bitte drei bis fünf Aspekte.

Pädagogische Professionalität bezieht sich auf die Fähigkeit und Bereitschaft der Fachkräfte, ihre pädagogischen Kenntnisse und Fähigkeiten kontinuierlich zu erweitern, um die bestmögliche Betreuung und Bildung für die Kinder zu gewährleisten.

Was ist pädagogische Professionalität in der Kita?

Pädagogische Professionalität in der Kita und damit eine hohe Qualität umfasst mehr als nur das Anwenden von Wissen. Es beinhaltet eine reflektierte Praxis, die darauf abzielt, die individuellen Bedürfnisse und Potenziale jedes Kindes zu erkennen, aufzugreifen und weiterzuentwickeln. 

Eine professionelle pädagogische Fachkraft in der Kita zeichnet sich durch Empathie, Kommunikationsfähigkeiten und die Fähigkeit zur Zusammenarbeit aus. Durch ständige Weiterbildung und Reflexion werden die Grundlagen gelegt, um eine qualitativ hochwertige Betreuung zu gewährleisten.

Pädagogische Professionalität steht immer in einem Spannungsfeld 

Pädagogische Professionalität ist allerdings nicht wie in anderen Berufen ganz klar festlegbar. Nehmen wir beispielsweise einmal einen Schreiner. Dieser weiß ganz genau, welchen Leim er bei welcher Holzsorte einsetzen muss, um das qualitativ hochwertigste Ergebnis zu erhalten. 

Eine Besonderheit pädagogischer Professionalität besteht also darin, dass es zur Lösung pädagogischer Herausforderungen keine standardisierten Technologien bzw. Methoden geben kann. Denn jeder Mensch ist anders und jeder Mensch reagiert anders. 

Ein Ansatz, um die pädagogische Professionalität zu steigern besteht in der pädagogischen Reflexion des eigenen Handelns. Im Gegensatz zu alltäglicher Reflexion setzt pädagogische Reflexion pädagogisches Wissen voraus, anhand dessen eigene Erfahrungen reflektiert, theoretisch eingeordnet, kritisiert und künftige Handlungen geplant werden können. (Schlömerkemper, 2010).

Pädagogisches Wissen umfasst dabei:

  • theoretisches Wissen, 
  • fachdidaktisches Wissen, 
  • Fachwissen und weitere Komponenten

Eine Methode hierzu sind auch die Fallberatungen und das gegenseitige Feedback unter KollegInnen. 

Pädagogisches Handeln steht vor der Herausforderung, mit widersprüchlichen Handlungsaufforderungen und sogar Paradoxen umgehen zu müssen (Schütze 2000, Oevermann 1996 und Helsper 1996; 2002).

Beispiel: Distanz versus Nähe (Helsper 1996, S. 530f.)

Einerseits existiert das Ideal der pädagogischen Fachkraft mit den Kindern eng verbunden zu sein und eine Beziehung (manche sprechen sogar von einer Bindung) aufzubauen. Andererseits ist es auch wichtig, eine wird auch eine professionelle Distanz gefordert. 

Beispiel: Autonomie versus Heteronomie (Helsper 1996, S. 535f.)

Einerseits soll pädagogisches Handeln auf die Erzeugung von Autonomie abzielen, andererseits sollen den Kindern im Rahmen der Erziehung auch Grenzen gesetzt werden. 

Beispiel: Einheit versus Differenz (Helsper 1996, S. 533f.)

Auf der einen Seite sollen alle Kinder gleich behandelt werden und auf der anderen Seite sollen sie individuelle Anregung, Stärkung, sowie eine Ressourcenorientierung stattfinden und damit verbundene Zuwendung erhalten. 

Beispiel: Organisation versus Interaktion (Helsper 1996, S. 534f.)

Einerseits sollst du im Kita-Alltag organisationalen Abläufen und Zielvorgaben folgen. Andererseits sollst du die in der Interaktion mit den Kindern ihre individuellen Bedürfnisse und Themen berücksichtigen. 

  • Wie erlebst du diese Paradoxa in deiner Praxis und wie gehst du damit um? 
  • Wann erlebst du Konflikte im Team aufgrund dieses Widerspruchs?

Sicherlich gibt es noch 1.000 weitere solcher Beispiele. Wichtig ist es immer, dass wir klar in unserem Handeln sind, selbstbewusst und fachlich begründen können, warum wir so handeln. Sie müssen individuell bzw. im Team reflektiert und ausbalanciert werden.

Tipp: 


In unserer Webinar-Reihe: „Professionelle Haltung in der pädagogischen Arbeit“ unterstützt dich Referentin Dunja Wermter mit gezielten Methoden dabei, eine professionelle Haltung zu entwickeln, als Fachkraft selbstbewusst aufzutreten und deine Fachlichkeit überzeugend zu vertreten. Du lernst, wie du klare Grenzen setzt.

Fachliche Begründung vs. eigene Meinung

Eine pädagogische Professionalität unterscheidet sich klar von einer privaten Meinung. Oftmals höre ich in Diskussionen um pädagogischen Themen: „Ich bin aber der Meinung, dass….“ Deine persönliche Meinung ist gut und wichtig. In der pädagogischen Professionalität geht es darum, Sachverhalte und Handlungsweisen fachlich begründen zu können. 

Beispiel: Es kann deine persönliche Meinung sein, dass Kinder wenigstens einen Löffel probieren sollen. Diese Meinung hat sich vielleicht aus deiner eigenen Biografie entwickelt. Weil du es auch so in deiner Kindheit erfahren hast. Die fachliche Begründung ist allerdings eine andere und beruht nicht nur auf wissenschaftliche Erkenntnisse, sondern auch auf die UN-Kinderrechtskonvention, Artikel 12: Berücksichtigung des Kindeswillens „Kinder müssen bei allen Entscheidungen, die sie betreffen, nach ihrer Meinung gefragt werden. Kinder dürfen ihre Meinung frei heraus sagen und diese muss dann auch berücksichtigt werden. Was bedeutet das für die Praxis: Die Frage: „Magst du probieren?“ ist eine Frage, bei der du ein Kind nach seiner Meinung zu dem Thema fragst. Die Antwort des Kindes, egal ob verbal oder nonverbal muss berücksichtig werden. 

Aktuelle Herausforderungen in der Frühpädagogik

Das System der Kindertagesbetreuung in Deutschland steht aktuell vor verschiedenen Herausforderungen, die wir nicht wegdiskutieren können. 

Neben dem in den letzten Jahren vollzogenen quantitativen Ausbau, der zum Teil unter den Bedingungen eines gravierenden Fachkräftemangels zu bewältigen ist, haben sich mit der zunehmenden Heterogenität der Kinder die Anforderungen an die pädagogische Arbeit weiter erhöht. Auch die Heterogenität der Mitarbeitenden in Kitas haben eine extremen Einfluss auf die Entwicklung einer pädagogischen Professionalität. 

Unter Berücksichtigung unterschiedlicher Lernausgangslagen – in Hinsicht auf Herkunft, Kultur, Familiensprache usw  – muss es darum gehen, allen Kindern frühzeitig individuell passgenaue Bildungs- und Entwicklungsangebote zu machen, mit dem Ziel, Chancengerechtigkeit durch Bildung zu realisieren. 

Diese Herausforderungen haben eine extrem hohe Auswirkungen auf unsere pädagogische Professionalität. Und gerade weil die Rahmendbedingungen nicht optimal sind, ist es extrem wichtig, dass du dich mit deiner pädagogischen Professionalität auseinandersetzt. Gerade in herausfordernden Situationen ist es wichtig, eine professionelle Haltung und Fachlichkeit nach außen zu vertreten und klare Grenzen zu setzen. 

Hierbei unterstützen wir dich in unserer Webinar-Reihe „Professionelle Haltung in der pädagogischen Arbeit“. Melde dich direkt an: https://praxis-kita.com/produkt/professionelle-haltung/

Verschiedene nationale und internationale Studien zeigen, dass die pädagogische Qualität einer Kindertageseinrichtung in diesem Zusammenhang zentral ist. Im Hinblick auf die Entwicklung von Kindern und deren späteren Bildungserfolg stellt sie den entscheidenden und durch Bildungspolitik zu steuernden Faktor für mehr Bildungsgerechtigkeit dar.

Methoden zur Steigerung der pädagogischen Professionalität:

  1. Fortbildungen und Schulungen: Du als Fachkraft oder ihr als Team solltet regelmäßig an Fortbildungen teilnehmen, um über neueste pädagogische Konzepte, Methoden und Forschungsergebnisse informiert zu sein. Dies ermöglicht es ihnen, ihre Kenntnisse zu erweitern und ihre pädagogische Praxis zu verbessern. Denn gerade in den letzten Jahren hat sich in der Frühpädagogik extrem viel verändert und weiterentwickelt. Was vor ein paar Jahren noch als gut und richtig galt, ist heute vielleicht falsch z.B. die Regel, es muss probiert werden.
  2. Supervision und kollegiale Beratung: Durch regelmäßige Supervision und den Austausch mit Kolleginnen und Kollegen könnt ihr eure Arbeit reflektieren und voneinander lernen. Kollegiale Beratung erhöht den Erfahrungsaustausch und trägt zur Entwicklung neuer Ideen und Perspektiven bei. Zudem hilft sie euch auch dabei, eine einheitliche pädagogische Haltung zu entwickeln. Wichtig, eine einheitliche pädagogische Grundhaltung bedeutet nicht, dass alle gleich handeln.
  3. Selbstreflexion: Eine kontinuierliche Selbstreflexion ist entscheidend, um deine eigene pädagogische Praxis zu hinterfragen und zu verbessern. Du solltest dir bewusst Zeit für die Reflexion deines ihres eigenen Handelns nehmen und offen für konstruktives Feedback sein. Nehme dir jeden Tag auf dem Weg nach Hause vor, nochmals dein pädagogische Handeln zu reflektieren. Das hilft dir auch dabei, den Arbeitstag gedanklich abzuschließen. 

Wie trägst durch deine pädagogische Professionalität zur Qualitätsentwicklung in der Kita bei?

  1. Individuelle Entwicklungsmöglichkeiten für Kinder: Durch eine hohe pädagogische Professionalität kannst du als Fachkraft gezielt die Bedürfnisse jedes Kindes wahrnehmen und so besser individuelle Lern- und Entwicklungsmöglichkeiten schaffen.
  2. Positive Lernumgebung: Pädagogische Professionalität sorgt dafür, dass du eine positive und unterstützenden Lernumgebung schaffst, die die kognitive, sprachliche, motorische, emotionale und soziale Entwicklung der Kinder anregt.
  3. Bildungs- und Erziehungspartnerschaft: Professionelle Pädagoginnen und Pädagogen sind in der Lage, eine gleichberechtigte Erziehungs- und Bildungspartnerschaft zu gestalten. Bei denen beide Partner eine positive Einstellung zueinander habe und einen gemeinsamer Verantwortung für das Kind sehen. Es einen wertschätzenden und zielorientierten Austausch über die Bildungs- und Erziehungsvorstellungen. Die aktive Einbeziehung der Familien in den Bildungsprozess hilft dabei, die Bildungsprozesse des Kindes gezielter und konsequenter zu unterstützen. Sie stärkt die Qualität der Betreuung und Bildung in der Kita. 

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Insgesamt ist die Steigerung der pädagogischen Professionalität in Kitas ein zentraler Aspekt der Qualitätsentwicklung. Durch kontinuierliche Weiterbildung, Reflexion und Zusammenarbeit trägst du als pädagogische Fachkrafte maßgeblich dazu bei, eine anregende und Entwicklungsstärkende Lernumgebung für die frühkindliche Bildung zu schaffen. Damit legest du den Grundstein für eine qualitativ hochwertige Betreuung, die die individuelle Entwicklung jedes Kindes optimal unterstützt.

Deine Bianca

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Quellenangabe:

  • Bohnsack, R. (2020).Professionalisierungin praxeologischerPerspektive. Opladen& Toronto: B. Budrich).
  • Helsper, W. (1996). Antinomiendes Lehrerhandelnsin modernisiertenpädagogischenKulturen. ParadoxeVerwendungsweisenvon Autonomieund Selbstverantwortlichkeit. In A. Combe& W. Helsper(Hrsg.), PädagogischeProfessionalität. UntersuchungenzumTyppädagogischenHandelns(S. 521-569). Frankfurt a.M.: Suhrkamp.
  • Helsper, W. (2002). LehrerprofessionalitätalsantinomischeHandlungsstruktur. In M. Kraul, W. Marotzki& C. Schwepp(Hrsg.), Biographieund Profession (S. 64-102). Bad Heilbrunn: Klinkhardt. 
  • Nentwig-Gesemann, I. (2013). ProfessionelleReflexivität. Herausforderungenan die AusbildungfrühpädagogischerFachkräfte. In: Theorieund Praxis der Sozialpädagogik, (1), 10-14.
  • Nentwig-Gesemann, I. & Gerstenberg, F. (2018). Typender Interaktionsorganisationin (früh-) pädagogischenSettings. In R. Bohnsack, N.F. Hoffmann & I. Nentwig-Gesemann(Hrsg.), Typenbildungund DokumentarischeMethode: Forschungspraxisund methodologischeGrundlagen(S. 131-150). Opladenu.a.: Barbara Budrich.
  • Oevermann, U. (1996). TheoretischeSkizzeeinerrevidiertenTheorieprofessionalisiertenHandelns. In: A. Combe& W. Helsper(Hrsg.), PädagogischeProfessionalität. UntersuchungenzumTyppädagogischenHandelns(S. 70-183). Frankfurt a.M.: Suhrkamp. 
  • Schütze, F. (2000). Schwierigkeitenbeider Arbeit und Paradoxiendes professionellenHandelns: eingrundlagentheoretischerAufriß. Zeitschriftfürqualitative Bildungs-, Beratungs-und Sozialforschung, 1(1), 49-96. URL: http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0168-ssoar-280748 (12.10.2016). 



Schlagworte

pädagogische Qualität, Qualitätsentwicklung, Zusammenarbeit im Team


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