Blogbeitrag

Wie du scheinbar uninteressierte Kita-Eltern mit Migrationshintergrund besser erreichen kannst

In Dialogen mit Fachkräften oder in Fortbildungen höre ich häufig eine Aussage: „Manche Eltern mit Migrationshintergrund interessieren sich nicht für unsere Arbeit in der Kita." Sicherlich trifft diese Aussage oder dieses Verhalten nicht auf ALLE Familien mit Migrationshintergrund zu. Es gibt auch Familien ohne Migrationshintergrund, bei denen du den Eindruck gewinnen könntest. Daher ist es wichtig, dass du genau hinschaust und reflektierst. Dazu lade ich dich in dem heutigem Blogartikel ein.

1. Schritt: Reflektiere die Situation in bei dir in der Gruppe

Dass es DIE Familien mit Migrationshintergrund nicht gibt, das weißt du. Daher ist es wichtig, dass du erstmals genau überlegst, bei welchen Familien habe ich den Eindruck, dass sie sich nicht für die Arbeit in der Kita interessieren. Sind es Familien aus bestimmten Kulturkreisen?

Notiere dir wirklich einmal, um welche Familien es sich handelt. Denn bevor du mit bestimmten Aktionen oder Tätigkeiten beginnst, die das Ziel haben die Eltern einzubinden, ist es hilfreich sich erstmals über den wirklichen Ist-Zustand bewusst zu werden. Dadurch ist die Zielgruppe deiner Aktivität schon viel deutlicher und auch kleiner geworden. Dies hilft dir auch, zielgerichteter zu überlegen, wie du diese Familien erreichen kannst. Denn häufig liegt es nicht am mangelnden Interesse, sondern an anderen Gründen.

2. Schritt: Wandel Fremdes in Bekanntes um

Familien, die aus anderen Kulturen und Lebenskreisen kommen, ist möglicherweise die Arbeit in einer deutschen Kita fremd. Beispielsweise:

  • Den Familien ist die Institution Kita vielleicht komplett unbekannt, weil es diese so im Heimatland nicht gibt.
  • Die Pädagogik und auch die Organisation einer Kita kann in dem Heimatland der Eltern vollkommen anders sein.
  • Ihnen ist der Umgang mit dir als Fachkraft fremd, d.h. wie sie auf dich zugehen sollen oder dürfen.
  • Sie kennen die Strukturen, das Lernen und die Bildung in einer deutschen Kita nicht.
  • Ihnen ist vielleicht fremd, welche Erwartungen du an die Familie oder an das Kind hast.
  • Sie wissen vielleicht nicht, was von Ihnen als Kita-Eltern erwartet wird.
  • Ihnen ist häufig die Sprache und auch der Umgang miteinander fremd.

Du siehst, wie viel für Familien aus anderen Kulturkreisen vollkommen unbekannt sein kann. Nicht nur für die Eltern, sondern auch für die Kinder. Daher ist es ein grundlegender Schritt für ein gutes Miteinander, Fremde in Bekanntes umzuwandeln.

Hierzu ist es wichtig, dass du offen und interessiert auf die Eltern zugehst. Ebenso wichtig, dass du die Eltern über die Arbeit bei euch in der Kita informierst. Denn wie durch die Aufzählung dargestellt, ist vieles, was du als „normal“ und „selbstverständlich“ erachtest, mit einem anderen Blickwinkel äußert ungewöhnlich.

Es ist ebenso wichtig, dass du sensible gegenüber kulturellen Einflüssen und Unterschieden bist. Aus dieser wertschätzenden Grundhaltung und dadurch, dass du offen auf die Eltern zugehst, entwickelt sich in kleinen Schritten ein Miteinander.

TIPP


Nutze die Bring- und Abholsituation, um täglich auf die Familien zuzugehen. Dabei reicht auch manchmal ein freundliches Lächeln aus. Denn es liegt in deiner Verantwortung als professionelle Fachkraft, die Beziehung zu den Eltern zu gestalten. Daher ist es wichtig, dass du immer wieder den ersten Schritt machst. Und dazu hast du 2 x täglich die Möglichkeit.

3. Schritt: Überlege, welche Selbstverständlichkeiten für Irritationen sorgen 

Im zweiten Schritt ging es darum, wie viele Selbstverständlichkeiten evtl. für Familien aus anderen Kulturen unbekannt sind. Daher ist es immer wieder wichtig, dass du den Familien Informationen über die Kita gibst. Nicht nur reine Sachinformationen, sondern auch Informationen über kulturelle Eigenschaften z.B. warum in der deutschen Pädagogik die Selbstbildung und die Selbstständigkeit der Kinder ein so hohes Bildungsziel ist. Für dich ist dieses selbstverständlich. Für Familien, die aus einer Kultur kommen, bei denen es üblich ist, die Kinder lange zu versorgen, zu füttern, sie anzukleiden etc. kann die Erziehung zur Selbständigkeit und die Selbstbildung irritierend wirken. Es kann sogar der Eindruck entstehen, dass du dich nicht gut um die Kinder kümmerst.

Die Übersicht hier stellt dir unterschiedliche kulturelle Prägungen und wie sie unsere Werte und Handeln beeinflussen gegenüber.

Kita-Eltern Migrationshintergrund

Diese typischen Gedanken beruhen nur auf ein Missverständnis von unterschiedlichen kulturellen Erziehungswerten. Falls du mehr über die unterschiedlichen kulturellen Erziehungswerte wissen möchtest, dann lade ich dich recht herzlich zu unserem Webinar „Die Welt trifft sich im Kindergarten“ ein.

Interaktives LIVE Experten-Webinar für Kita-Fachkräfte


Die Welt trifft sich im Kindergarten: Wie interkulturelle Arbeit im Kindergarten und Hort gelingt

Am 27. April 2021 von 18:00-20:30 Uhr zeigt dir  İskender Yıldırım – Experte für Integrationsarbeit in Kitas – wertvolle Werkzeuge für den Umgang mit Familien mit anderen Erziehungsstilen.

Du lernst unter anderem:

  • …mit welchen einfachen Strukturen du in deinem Kita-Team eine Toleranzkultur aufbaust.
  • …mit welchen Maßnahmen du die Zusammenarbeit mit zugewanderten Eltern vereinfachen kannst – trotz kultureller Unterschiede und Sprachbarrieren. 
  • …mit welchen konkreten Tipps du auch akute Konfliktsituationen mit Leichtigkeit meisterst 

Dort erfährst du auch, wie du mit sprachlichen Hürden umgehen kannst und wo du Hilfe bei Sprachproblemen bekommst. Ebenso, welche Projekte es gibt, um Familien mit Migrationshintergrund zu unterstützen.

4. Schritt: Toleranz bedeutet auch, sich seinen eigenen Werten bewusst zu werden

Toleranz ist eine wichtige Grundhaltung – unabhängig von der Kultur. Toleranz bedeutet aber nicht alles zu tolerieren. Um tolerant zu sein, müssen wir uns auch mit unseren eigenen Werten auseinander setzen. Und mit den Werten, die ihr als Team, in der Kita lebt.

Das bedeutet, dass ihr euch offen darüber austauscht, was ihr in der Kita tragen könnt und wo eure Grenzen sind. Also, wann ein „Nein“ zu einem Verhalten angemessen ist.

Denn bei „aller Toleranz“ ist es wichtig, die eigenen Grenzen zu achten und zu respektieren. Ebenso die Grenzen eures Teams. Betrachte es als wohlwollende Selbstfürsorge. Denn um alle „Kulturen und Persönlichkeiten unter einen Hut zu bekommen“ kann eine sehr verantwortungsvolle, anspruchsvolle und kräftezerrende Tätigkeit sein.

5. Schritt: Halte besondere Momente fest

Schnell passiert es, dass wir uns über Dinge ärgern oder aufregen, die nicht so gut laufen. Einfach, weil sie von uns so viel Kraft erfordern oder besondere Herausforderungen darstellen. Damit diese gedanklich nicht überhand nehmen, ist es wichtig, sich auf die schönen Momente deiner Arbeit zu fokussieren.

Daher möchte ich dich ermuntern, halte die schönen Augenblicke deiner Arbeit fest. Ebenso, die Aktivitäten oder Handlungsweisen, bei denen du das Gefühl hast, dass sie von den Eltern gut angenommen werden.

Fertige ein Tagebuch für deine Gruppe an. Frage dich täglich: „Welche schönen Momente, Augenblicke und Aussagen habe ich heute mit den Kindern und Eltern erlebt“. Notiere diese in dem Buch. Du wirst überraschst sein, welche wunderschöne Sammlung zusammen kommt. Denn du hast einenr der schönsten Jobs, auf der Welt.

Konkrete Ideen für die Zusammenarbeit mit Familien mit Migrationshintergrund bekommst du in unserem Webinar am 27.04.2021 von 18:00 - 20:30 Uhr.

Wichtig: Bitte sei schnell, denn die Buchung ist nur bis zum 27.04.2021 bis 15 Uhr möglich.

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    Übrigens: Der Zugang zum Kurs bleibt mindestens für 1 Jahr bestehen. Sie können sich die Inhalte somit so oft ansehen, wie Sie möchten. Klingt spannend? Dann sichern Sie sich noch heute Ihren Platz!


    Schlagworte

    ausländische Kita-Kinder, interkulturell, Kita, Kita-Alltag, Kita-Eltern, Kommunikation, Pädagogik, toleranz


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