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Grenzüberschreitung gegenüber Kindern hat viele, meistens subtile, Formen

Grenzüberschreitungen als eine Form der Gewalt gegenüber Kinder hat viele unterschiedliche Formen. Sie haben in einer Kita nichts zu suchen, und lassen sich trotzdem nicht ganz vermeiden. Erfahre in diesem Blogbeitrag, welche unterschiedlichen Arten von Grenzüberschreitungen, Gewalt und Vernachlässigungen es gibt und wie du darauf professionell reagierst.

Die 5 häufigsten Grenzüberschreitungen in der Kita

Die unbeabsichtigten Grenzüberschreitungen gegenüber Kindern sind alle Handlungen oder Äußerungen, die eine Grenze beim Kind überschreiten. Diese Grenze ergibt sich beispielsweise aus den Kinderrechten und aus den Grundrechten.

Die 5 häufigsten Grenzüberschreitungen in der Kita sind:

  1. Grober Ton zwischen Mitarbeitenden und Kindern
  2. Mangelnde Hilfestellung, wenn Kinder danach fragen
  3. Kinder werden vor der Gruppe bloßgestellt
  4. Androhen von Strafen und/oder Konsequenzen
  5. Kinder müssen einen Mittagsschlaf halten

60% aller Grenzüberschreitungen entstehen aufgrund von strukturellen Missständen wie Personalmangel, ständig wechselndes und/oder unzureichend ausgebildetes Personal. Bei Krankheit einer Fachkraft kommen schnell 20-25 Kinder auf eine verbleibende Fachkraft. Schnell kommt es dazu, dass auf einem unerwünschten Verhalten von Kindern oder auf ein Verhalten, das als Belastung wahrgenommen wird, geschrien, geschimpft oder gestraft wird. Einfach nur, weil die Fachkraft mit vereinten Kräften versucht der Situation gerecht zu werden.

Meine persönliche Einschätzung ist, dass sich diese Situation durch die Pandemiebedingungen und -Regelungen, sowie durch die Quarantäneregelungen noch drastischer verstärkt hat. Und ich persönlich mache mir große Sorgen, dass dieser Effekt durch die Aufstockung der Kinderzahlen in manchen Bundesländern und das Recht auf eine Ganztagesbetreuung der Schulkinder noch weiter verstärken wird.

Bereits 2013 wurde mit dem Anrecht auf einen Ganztagesplatz für Kinder ab einem Jahr eine negative Weiche gestellt. Denn mit dem Anrecht auf einen Ganztagesplatz ist nicht automatisch mehr Personal da. Es wurde mehr ausgebildet und meiner persönlichen Erfahrung nach, wurden auch Auszubildende durch Prüfungen geschleust, die für den Beruf weniger geeignet sind. Meine Sorge ist es, dass der Fehler wiederholt und die Situation sich in den nächste Jahren noch drastisch verschlimmerern anstatt verbessern wird.

Das hat uns früher auch nicht geschadet

Hinzu kommt, dass viele Grenzverletzungen auch aus einem unreflektierten Handeln heraus entstehen, „weil es uns früher auch nicht geschadet hat“, „weil man auch mal die Kirche im Dorf lassen muss“ usw.

Unbewusste Grenzüberschreitungen resultieren oftmals aus erprobten Erziehungs- und Beziehungskonzepten, die wir unreflektiert von Generation zu Generation weitergeben z.B. jemanden auf lustige Art und Weise bloßstellen, beschämen, Angst machen (Wenn-dann-Pädagogik), unterschwellig zum Probieren zwingen oder emotionale Zuwendung oder Trost verweigern, weil es das Kind nicht verdient hat, selbst schuld ist…

Die Liste ist unvorstellbar lang und der Toleranzbereich unter uns Fachkräften häufig hoch. Dabei ist es extrem wichtig, im Team eine Gesprächs- und Fehlerkultur zu etablieren, um die unbewussten Grenzüberschreitungen bewusst zu machen. Denke einmal nach, welche Art der Grenzüberschreitungen hast du schon mal erlebt?

Die Worte „Gewalt“ und „Vernachlässigung“ hören sich sehr schlimm und mächtig an. Gewalt beginnt aber nicht erst dann, wenn Kinder geschlagen oder körperlich verletzt werden. Eine Vernachlässigung fängt nicht erst dann an, wenn Kinder unzureichend Nahrung oder Kleidung haben.

Bereits beschämen, ausgrenzen, überfordern, überbehüten, Kinder ablehnen oder bevorzugen, abwerten, ständig mit anderen Kindern vergleichen, beleidigen etc. gehören auch zur seelischen Gewalt. Aber auch ein Kind gegen seinen Willen zu streicheln, auf den Schoss zu ziehen usw. gehören zur sexualisierten Gewalt.

Häufig überschneiden sich die unterschiedlichen Formen von Gewalt oder treten in Kombination auf. Gewalt gegenüber Kindern wird häufig geduldet oder es wird weggeschaut.

Die Übersicht zeigt dir unterschiedlichen Botschaften auf, die an Kinder gesendet werden und die Gewalt beinhalten, bzw. wie du durch Botschaften Kindern stärken kannst

Online-Fortbildung

„Das ist mein Recht! Kinderrechte kennenlernen und in der Kita gemeinsam leben“

In unserem Webinar „Das ist mein Recht! Kinderrechte kennenlernen und in der Kita gemeinsam leben“ am 30.03.2023 von 18:00 – 20:30 Uhr lernst du, wie du die Kinderrechte in der Praxis lebst. Du reflektierst deinen eigenen Kita-Alltag und die Umsetzung der Kinderrechte. Zudem erhältst du Materialien und Beispiele zu den Kinderrechten in der Kita.

Referentin des Live-Webinares
Sarah Matzke

Sarah ist Kindheitspädagogin und Bildungswissenschaftlerin mit dem Schwerpunkt Kinderrechtebildung im frühkindlichen Bereich und Praxiserfahrung in verschiedenen frühpädagogischen Einrichtungen und einer Qualifizierung als Fachkraft für Kinderperspektiven. Seit 2017 in der Fachstelle Kinderrechtebildung des Deutschen Kinderhilfswerkes tätig.

Übrigens: Der Zugang zum Webinar bleibt mindestens für 1 Jahr bestehen. Du kannst dir die Inhalte somit so oft ansehen, wie du möchtest. Klingt spannend? Dann sichere dir noch heute deinen Platz!


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