Blogbeitrag

Was brauchen die Kita-Kinder in dieser Krise?

Was brauchen die Kita-Kinder in dieser Krise? Wie können wir sie am besten unterstützen?

Die Corona-Krise hat uns alle überrollt und vor große Herausforderungen gestellt – Erwachsene wie auch Kinder. In diesem Blog-Beitrag gehe ich daher der Frage nach, welche Unterstützung die Kinder tatsächlich gerade besonders brauchen, um gut mit den Veränderungen dieser Zeit umzugehen.

Die Krise als Geschenk: Kinder lernen in Krisen, mit den Herausforderungen des Lebens umzugehen

Wenn wir - so wie jetzt - plötzlich vor extreme Herausforderungen des Lebens gestellt werden, dann laufen vier unterschiedliche Phasen ab, wie wir mit genau diesen Herausforderungen umgehen. Im heutigen Blogartikel beschäftigen uns wir vor allem mit Phase 1 und 2 der Krise - das sind die Phasen, die wir bereits durchlaufen sind bzw. aktuell durchlaufen - und werfen einen Blick auf die Frage, mit welchen konkreten Maßnahmen wir die Kinder unterstützen können.

Die Kinder sind genauso von der Krise betroffen.

Auch wenn die Kinder vielleicht keine direkten Existenzängste oder Sorgen um eine mögliche Infektion haben, so wie viele Eltern in dieser Zeit, so spüren sie die massiven Ängste und Sorgen der Erwachsenen dennoch. Sie merken, wie angespannt wir Erwachsenen sind und natürlich sehen sie viele Menschen, die mit Mundschutz herumlaufen. Selbst auf mich wirkt das immer sehr bedrohlich. Häufig habe ich das Gefühl, als hätten wir gerade eine Apokalypse erlebt.

Ich frage mich: Wie mag solch ein Schutz auf ein Kind wirken, dass die Funktion nicht einschätzen kann?

Phase 1: Wir verfallen in eine Schockstarre

In der ersten Phase entsteht häufig ein Schockzustand. Manche Menschen sind wie gelähmt und ignorieren die Situation oder sind komplett handlungsunfähig. Andere verfallen in einen starken Aktivismus. Sie wollen helfen. Sie suchen überengagiert nach neuen Möglichkeiten. In der Corona-Krise konnten wir dieses auch daran ausmachen, dass die Menschen plötzlich Hamsterkäufe gemacht haben. Toilettenpapier, Desinfektionsmittel und Nudeln waren überall ausverkauft und wurden gebunkert. Gleichzeitig wurden viele lustige Fotos über die sozialen Netzwerke verschickt, die sich über dieses Verhalten amüsiert haben. Haben Sie täglich auch so viele WhatsApp Nachrichten mit lustigen „Corona“ Fotos bekommen wie ich? Mein Smartphone hat fast durchgängig vibriert und für Erheiterung, aber auch Unruhe in meinem Leben gesorgt.

So unterstützen Sie die Kinder richtig


Übertragen Sie die Hektik nicht auf die Kinder!

In dieser Phase sind Erwachsene extrem hektisch und angespannt. Da ist es schwer, diese Hektik nicht auf die Kinder zu übertragen. Wichtig ist es, den Kindern Ruhepunkte im Alltag zu bieten. Sei es durch das gemeinsame Spiel, durch das Betrachten von Bilderbüchern oder kuschelige Vorlesestunden. Die Eltern sollten den Kindern zeigen: „Ich bin für dich da“. Das Gleiche gilt auch für die Kinder, die bei Ihnen in der Notbetreuung sind.

Phase 2: Es kehrt Ruhe und Stille ein.

In dieser Phase befinden wir uns seit der zweiten oder dritten Corona-Schließwoche. Es kehrt so langsam Ruhe ein. Sie merken es nicht nur daran, dass Ihr Handy plötzlich nicht mehr so häufig vibriert, weil ein lustiges „Corona-Bild“ bei ihnen eingetroffen ist, sondern auch an den Menschen direkt. Die Menschen werden wieder entspannter. Erste neue Abläufe, Strukturen und Rituale entwickeln sich.
Es kehrt auch eine Art Stille ein. Das gesellschaftliche Leben wurde runtergefahren. Wir müssen uns viel mehr mit uns und unseren direkten Mitmenschen auseinandersetzen. Es fehlt uns an Ablenkung und Bewegung. Dieses kann zu einer großen Herausforderung für so manche Eltern werden.

So unterstützen Sie die Kinder richtig


Wichtig ist, dass Sie die Erlebnisse, die die Kinder haben, „besprechbar“ machen.

Das heißt, dass Sie mit den Kindern über die Erlebnisse sprechen. Reden Sie offen mit den Kindern über die Veränderungen. Geben Sie den Fragen der Kinder Raum und beantworten Sie die Fragen offen, anstatt immer zu besänftigen und zu sagen: „Es wird alles wieder gut“. Die Kinder brauchen Antworten, um die heraufordernde Situation einordnen zu können. Sie brauchen Antworten darauf, warum der Spielplatz gesperrt ist und warum sie ihre Freunde nicht besuchen dürfen, wo doch jetzt so viel Zeit dafür da wäre.

Die Kinder bei Ihnen in der Notbetreuung müssen wissen, wo die anderen Kinder sind. Warum das Personal wechselt und warum ganz andere Kinder in der Not-Gruppe sind. Sie brauchen Erklärungen dafür, warum Sie eher auf Abstand gehen. Das dieser Abstand nichts mit dem Kind zu tun hat und sie das Kind nicht weniger gern haben, als noch vor ein paar Wochen. Sondern, dass Sie das machen, weil sie das Kind mögen und es schützen möchten. Sie sehen schon, es gibt viele Dinge, die ein Kind in dieser Zeit beschäftigen. Machen Sie es unbedingt „besprechbar“.

Schaffen Sie Rituale, in denen Sie die Fragen der Kinder „besprechbar“ machen.

Natürlich sollten Sie immer unverzüglich auf die Fragen der Kinder eingehen. Schaffen Sie darüber hinaus Rituale, um mit den Kindern über diese Veränderungen zu sprechen. Beispielsweise in Ihrem Morgenkreis.

  • Überlegen Sie mit den Kindern, was zurzeit nicht mehr stattfindet. Machen Sie sich keine Sorgen, dass Sie damit „ein Fass“ öffnen würden. Das Thema steht sowieso im Raum. Sie greifen es auf. Das ist ein wichtiger Schritt um von den „alten“ Gewohnheiten Abschied zu nehmen. Auch, wenn es nur für eine Übergangszeit ist.
  • Sprechen Sie unbedingt mit den Kindern über ihre Gefühle. Fragen Sie die Kinder: „Wie fühlst du dich, wenn du…. (so viele Menschen mit Mundschutz siehst? ...deine Freunde nicht besuchen darfst? ...nicht auf den Spielplatz kannst? usw.). Indem Sie über die Emotionen der Kinder sprechen, helfen Sie den Kindern, diese zu verarbeiten. Zudem stärken Sie die emotionale Entwicklung der Kinder. Dieses stärkt wiederrum die Resilienz, die Menschen dabei hilft mit den Herausforderungen des Lebens umzugehen. Sie sehen, wie bedeutsam es ist, dass Sie offen über die Gefühle sprechen.

Gehen Sie auf die nonverbalen Spielsignale der Kinder ein!

Häufig sprechen Kinder ihre Fragen nicht direkt aus. Sie drücken sie durch das Spiel oder in Bewegung aus. Schaffen Sie einen Raum, indem die Kinder dieses machen. Steigen Sie darauf ein, wenn Kinder mit Puppen oder Spielfiguren ihre Erlebnisse darstellen. Geben Sie den Kindern Material zum Spielen an die Hand z.B. einen selbst erstellten Mundschutz für die Puppen. Dadurch helfen Sie den Kindern, ihre Erlebnisse spielerisch zu verarbeiten.

WICHTIG


Häufig sind solche Spielsequenzen nur kurz. Das zeigt Ihnen, dass die Kinder gesättigt sind. Vielleicht sind die Emotionen des Kindes so stark, dass es nicht weiterspielen kann. Reagieren Sie darauf achtsam und lassen Sie sich auf ein Spielende ein. Wenn das Kind wieder so weit ist, dass es weiterspielen kann, dann wird es das aus eigenem Antrieb auch machen.

Etablieren Sie Bewegungsmöglichkeiten, um den Ärger abzubauen

Manche Kinder bauen ihren Ärger oder ihre Wut durch Bewegung ab. Schaffen Sie hierzu einen Raum z.B. indem die Kinder auf ein Kissen oder einen Boxsack eintrommeln können. Vielleicht haben Sie ein Kissen in der Kita, dass wie ein Virus aussieht, dass sie dafür nutzen können. Alternativ können Sie auch ein Bild von einem Virus auf den Boxsack kleben. So können die Kinder ihre Wut über das Virus direkt ausleben.

Eine weiter Möglichkeit ist es, in eine Wut-Kiste (einen Karton in der Größe eines Schuhkartons) den gesamten Frust hineinzurufen. Dieses können Sie auch als Ritual in Ihrem Morgenkreis oder in der Familien mit aufnehmen.

Bieten Sie den Kindern kreative Aktivitäten an

Greifen Sie die Erlebnisse der Kinder auch durch Bilder, durch Knet- oder Tonaktivitäten auf. Dadurch bieten Sie den Kindern ebenfalls die Möglichkeit, ihre Erlebnisse besser einzuordnen. Eine Idee, die sich mittlerweile etabliert hat, ist der Regenbogen, den Kinder an ihre Fenster malen, um so allen Kindern zu zeigen: „Du bist nicht alleine“.

Fazit

In solche einer Ausnahmesituation müssen Sie die Kinder gut begleiten. Entwickeln Sie kreative Ideen, wie Sie das machen. Kreativ bezieht sich dabei nicht auf künstlerisch Aktivitäten. Es ist alles erlaubt ist, was den Kindern und Ihnen gut tut und sich richtig anfühlt. Wichtig ist es, dass Sie als Bezugsperson des Kindes selbst präsent sind und die Krise und deren Auswirkungen mit den Kinder verbal oder auch nonverbal „besprechbar“ zu machen.

Im nächsten Blogartikel erfahre Sie, wie Sie eine Brücke zu der Zeit „nach der Corona Welle“ bauen. Ich wünsche Ihnen bis dahin viel Kraft in dieser herausfordernden Zeit und bleiben Sie gesund.

Ihre Bianca Hofmann

Fortbildung
Unsere Unterstützung für Sie:

Kostenlose Webinare während der Corona Schließzeit

Wir wissen, dass die Corona-Schließzeit viele Kitas vor massive Herausforderungen stellt. Wir möchten Sie in dieser schwierigen Phase gerne tatkräftig unterstützen und haben uns daher entschieden, Ihnen während dieser Phase einen Großteil unserer Webinare kostenlos zur Verfügung zu stellen.

In unserer Akademie finden Sie daher nahezu täglich kostenlose Webinare zu verschiedendsten Themen rund um die pädagogische Arbeit – für Ihre pädagogischen Fachkräfte.


Schlagworte

Corona, Fachkraft, Kinder, Krise, Maßnahmen


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